Genozid, Herero-Identität(en) und die Befreiungsbewegung an der Macht

TitleGenozid, Herero-Identität(en) und die Befreiungsbewegung an der Macht
Publication TypeBook Chapter
Year of Publication2005
AuthorsJ.B. Gewald, and H. Melber
EditorH. Melber
Secondary TitleGenozid und Gedenken : Namibisch-deutsche Geschichte und Gegenwart
Pagination79 - 102
Date Published2005///
PublisherBrandes & Apsel
Place PublishedFrankfurt am Main
Publication Languageeng
Keywordscolonialism, genocide, Germany, Herero, Namibia
Abstract

Die Behandlung des kolonialen Genozids innerhalb Namibias und im Exil führte zu unterschiedlichen Tendenzen. Die Rekonstruktion von Herero-Identität im Lande machte zur Mitte des 20. Jahrhunderts die erlittenen Schäden durch die Opfer und deren Nachkommen vorübergehend zu einem wichtigen Bezugspunkt im Rahmen der gesellschaftlichen Standortbestimmung. Die weitere politische Entwicklung und damit einhergehende Reformorientierung der traditionellen Herero-Führer trug jedoch in der Folgezeit parallel zur Intensivierung des Befreiungskampfes durch die erstarkende SWAPO zu einer Entschärfung des Themas bei. Das Gedenken an den Genozid verlagerte sich im Zuge der engeren Kooperation mit den lokalen Statthaltern des südafrikanischen Besatzungsregimes zu einer Pflege der in Kriegszeiten trotz begangenen Unrechts durch die deutschen Kolonialherren geschweissten Bande. Im Gegensatz dazu eignete sich die SWAPO als ideologischen Topos zur Betonung der Traditionen des nationalen Befreiungskampfes den Genozid ab dem Ende der 1960er Jahre zunehmend stärker an und verleibte ihn in die Geschichtsschreibung ein. Im Zuge des Dekolonisationsprozesses und der demokratisch legitimierten Machtübernahme durch die SWAPO änderte sich die Lage wieder vollständig. Gleich nach der Unabhängigkeit wurde der Genozid wieder zu einem von Herero-Eliten in Regierungsopposition besetzten Feld. Inzwischen hat die Diskussion um den Genozid und die Forderung nach gruppenspezifischen Reparationsleistungen eine identitätsstiftende Funktion übernommen. Die Teilhabe an einer kollektiven Form von Herero-Dasein hilft die mitunter noch erheblichen Differenzen, die unter den diversen Herero-Verbänden bestanden bzw. noch immer bestehen, zu überbrücken oder zumindest zeitweilig halbwegs zu überdecken. Fussnoten. [Zusammenfassung ASC Leiden]

Citation Key840